Analytische Psychologie nach C.G. Jung

 

Die Analytische Psychologie nach C.G. Jung ist eine tiefenpsychologische Methode. Das Unbewusste hat große Bedeutung. Es umfasst seelische Inhalte, die dem Bewusstsein nicht zur Verfügung stehen.

In der Therapie wird achtsam daran gearbeitet, mit unbewussten Inhalten in Kontakt zu treten und auch deren heilsame und schöpferische Anteile zu entdecken. Dies kann mit Hilfe von Träumen und deren Deutung, Bildern und deren Interpretationen und je nach individuellen Zugängen auch literarischem oder anders kreativem Schaffen gelingen.

 

Persona

Die Persona ist jener Anteil der Persönlichkeit, der sich nach außen zur Umwelt zeigt. Beschützenswerte, schwache oder z. B. unangebrachte und unerwünschte Anteile bleiben hinter der Persona verborgen und werden nicht gezeigt. Dies ermöglicht ein angepasstes funktionierendes Dasein mit dem Außen. Die Ausgeglichenheit der Psyche hängt von einer nicht überangepassten, den inneren Ansprüchen und Wünschen gerecht werdenden Persona ab. Passt sich die Persona zu sehr der Außenwelt an und wird zur starren Maske, verrät der Mensch seine Individualität und sein wahres Wesen kann hinter der Fassade verkümmern.

 

Schatten

Der Schatten ist ein unsichtbarer, unbewusster Anteil eines Menschen. Er besteht aus Inhalten, die wir aus unterschiedlichen Gründen nicht als zu uns gehörig annehmen wollen und ablehnen. Der eigene Schatten kann sich als Figur in Träumen zeigen oder auf andere Objekte in der Umwelt projiziert werden. Im Alltag kann er sich in unbeliebten Reaktionen, derer wir uns schämen und die wir normalerweise unterdrücken, z. B. Weinen, Wutausbruch u. a., zeigen. Den Schatten, das Dunkle zu integrieren ist ein Prozess, der auf Widerstand stößt, möchten wir doch nicht anerkennen, auch wenig gewünschte Anteile zu haben. Die Annahme des Schattens ist jedoch ein höchst wertvoller Vorgang, der nötig ist, da sich allzu verdichtete und verleugnete Schattenanteile in Form von Neurosen gegen das Individuum zu richten vermögen. Die Bewusstwerdung des Schattens ist eine Aufgabe der ersten Lebenshälfte.

 

Animus und Anima

Der Individuationsprozess, der mit der Anpassung an die Umwelt und der Integration des Schattens beginnt, setzt sich mit der Auseinandersetzung des gegengeschlechtlichen Seelenanteiles fort. Beim Mann ist dies die Anima, bei der Frau der Animus. Anima und Animus stehen in Bezug zur Persona. Steht das Ich durch die Persona mit der Außenwelt in Beziehung, so steht das Ich durch Animus bzw. Anima mit der Innenwelt in Beziehung. Der eigene gegengeschlechtliche Seelenanteil kann am anderen Geschlecht erlebt werden, indem man eine Partnerin oder einen Partner wählt, an der/dem man den Charakter des inneren gegengeschlechtlichen Anteiles erlebt. Ist die Anima beim Mann und der Animus bei der Frau bewusst geworden, ist das Individuum nicht mehr seinen Launen und Emotionen ausgeliefert, womit eine Erweiterung der Persönlichkeit stattgefunden hat.

 

Individuation

Die Individuation ist die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit in Abgrenzung zur kollektiven Allgemeinheit und Norm. Eine Behinderung der Individuation durch eine zu große Anpassung an Kollektivnormen verhindert eine persönliche Entfaltung und führt zu einer Verbiegung der Persönlichkeit. Im therapeutischen Prozess kann der Individuationsprozess angeregt, intensiviert und bewusst gemacht werden, was zu einer Abrundung des Wesens und zur Selbstwerdung führt. In der ersten Lebenshälfte ist die Aufgabe des Individuationsprozesses u. a. die Einordnung des Menschen in seine Umwelt, in der zweiten Lebenshälfte ist es Innensicht, Reflexion und Bewusstwerdung.

 

Komplexe

Komplexe sind Inhalte im Unbewussten und bestehen aus einem Bündel von Erwartungen, Emotionen und Körpergefühlen. Die Ursache der meisten persönlichen Komplexe wird in der Kindheit vermutet, wenn die Bedürfnisse eines Kindes durch wichtige Bezugspersonen ungenügend erfüllt wurden. Ein Komplex kann nicht durch den Willen gesteuert werden und verhält sich autonom und unkontrollierbar. Komplexhaftes Verhalten kann genau das Befürchtete hervorrufen, wie z. B. sich versprechen, sich verlesen, sich blamieren, ungeschickt sein, sprachlos sein, etc. In einer Psychotherapie können anhand von bewusstwerdenden Komplexen neue Bewältigungsmechanismen gefunden werden.

 

Selbst

Der Begriff des Selbst bezeichnet in der Analytischen Psychologie den Kern des Wesens und gleichzeitig die Gesamtheit der Psyche. Es drückt die Einheit und die Ganzheit der Gesamtpersönlichkeit aus und hat sowohl einen bewussten als auch einen unbewussten Aspekt. (vgl. C. G. Jung, GW 6, § 814)

 

Persönliches und kollektives Unbewusstes

Neben dem Bewusstsein nennt C.G. Jung den Bereich des persönlichen Unbewussten, in welchem psychische Inhalte wie Vergessenes, Verdrängtes oder unterschwellig Wahrgenommenes beinhaltet sind. Neben dem persönlichen Unbewussten gibt es in einer tieferen Schicht den Bereich des kollektiven Unbewussten. Im kollektiven Unbewussten befinden sich allgemein menschliche unbewusste Grundstrukturen, die vom persönlichen Leben unabhängig als Erbgut in jedem vorhanden sind. Die Inhalte des kollektiven Unbewussten sind die Archetypen, eine Art Organe der Seele. Diese zeigen sich in Träumen, Märchen und Mythen und haben großen Einfluss auf das gesamte psychische Leben.